Alle da – nur ich nicht

Koh Mak in voller Pracht (Foto: Frederico Balboa)
Liebe Freunde, WeggefährtInnen und Südostasienfans,

ich habe mir nie viel aus Geburtstagen gemacht, schon gar nicht aus den eigenen. Den 75. aber konnte ich nicht schlabbern. Das wurde mir schon im Sommer klar, als einige Freunde aus Deutschland ihren Trip für November ankündigten. Mit Erfolg schlug ich allen vor, die Tage rund um meinen Geburtstag im Golf von Thailand zu feiern, auf der wunderschönen Insel Koh Mak nahe Koh Chang. Ich ahnte nicht, dass es ein in mancher Hinsicht ungewöhnlicher Geburtstag werden würde. Wie gerne hätten wir unser Leben jederzeit im Griff, doch dann sehen wir wieder, dass wir einer Illusion erliegen.

Koh Mak am Abend (Foto: Kesorn Chaisan)

Alle da – nur ich nicht

Alles war so schön geplant. Meine Gäste sowie meine Frau Toey und ich würden am 2. November von Bangkok nach Trat fliegen, andere reisten mit dem Van an (Foto), und vom Pier Laem Ngop aus würde das Speedboat in einstündiger Fahrt nach Koh Mak übersetzen. So geschah es auch. Nur ohne mich.

Nach zwei Tagen Schmerzen war ich am 1. November zur Untersuchung ins Bangkok Hospital gegangen (top Ärzte, top Service). Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Operation am nächsten Morgen um 7 Uhr. Eine Routineoperation, minimal-invasiv durchgeführt, Vollnarkose, keinerlei Schmerzen danach.

Aber das Timing war halt desaströs. Freunde, die ich zuletzt vor der Pandemie gesehen hatte, reisten aus Deutschland nach Koh Mak, der Gastgeber aber lag in Bangkok im Bett.

Meine Gäste versicherten mir allerdings glaubhaft, dass sie das Insel-Juwel auch ohne mich genießen würden und mailten mir Fotos zum Beleg, die mich beruhigten und den Heilungsprozess beschleunigten.

Fotos: Kesorn Chaisan

Am 4. November nachmittags, zwei Tage nach der Operation, wurde ich entlassen. Eine Geburtstagsfeier mit meinen Freunden am 6. schien wieder möglich, trotz umständlicher Logistik. Auf Geheiß der Ärzte durfte ich bis fünf Tage nach der Operation weder fliegen noch ein Speedboat benutzen. Nach einer Übernachtung in Bangkok fuhr ich am 5. mit dem Taxi viereinhalb Stunden zum Fähranleger nach Koh Chang, um dort meinen Freund Oliver zu treffen und mit ihm auf der großen Fähre zur zweitgrößten Insel Thailands überzusetzen.

Anschließend fuhren wir mit dem Songtaeo eine weitere Stunde zur Südspitze Koh Changs. Denn von dort, vom Bang Bao Pier ging am nächsten Morgen um 9 Uhr die einzige konventionelle Holzfähre nach Koh Mak. Zuvor übernachteten wir im Hotel Buhvarin, das ich spontan gebucht hatte, weil die bunten Bilder auf Agoda so einladend wirkten.

Hotel Buhvarin: Zimmer mit Aussicht

Video: Oliver Wurm

Die ein wenig abgelegene Unterkunft zieht sich über drei Ebenen, was Beinen und Lungen ein gebührenfreies Training beschert. Oben Rezeption, Restaurant und ein schöner Pool, in der Mitte die Zimmer und unten am Strand ein weiterer Pool, kaputte Holzplanken und leer stehende Bungalows. Die Pandemie hat in der Hotellerie nicht nur im Einkommen, sondern auch in den Strukturen Lücken hinterlassen, die noch nicht repariert wurden und auf den Buchungsplattformen wie Agoda nicht angezeigt werden. Das sehr junge Team im Buhvarin war freundlich, beflissen und manchmal überfordert. Offensichtlich sparen die Betreiber auch am Personal. Es sei nicht unterschlagen, dass die Agoda-Bucher das Hotel mit 8,3 bewerten, in einm Wort: „Fantastisch“. Ich kann es nicht nachvollziehen.

Wenn eines Tages die bunten Bilder im Netz wieder durch die Realität gedeckt sind, ist das Buhvarin eine gute Wahl. Die normalen Preise liegen dann aber auch bei 4000 Baht (ca. 105 Euro) für die Nacht und mehr; wir zahlten etwas mehr als 2000 Baht, derzeit ist ein Zimmer gar für etwa 1300 Baht zu haben.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Auf der Holzfähre nach Koh Mak stiegen die Rucksack-Erinnerungen der 1990er Jahre wieder hoch, als ich Thailand für mich entdeckte. Speedboat bedeutet Effizienz, den schnellsten Weg von A nach B. Die doppelte Fahrzeit in der Holzklasse, zwei Stunden waren es, erlaubten neben nostalgischen Gefühlen das bewusste Erleben und Genießen der traumhaften Inselwelt rund um Koh Chang. In ruhiger See – wenn es stürmt, übernimmt schonmal der Magen das Kommando.

Der Pier von Koh Mak kam in Sicht. An meinem Geburtstag legten wir an, ich war ein glücklicher Mensch. Abgeholt wurden wir von Jens, einem der beiden Brüder, die es „Von Zwickau nach Koh Mak“ verschlagen hat, wie ich in meinem ersten Blog-Beitrag über die Insel und das wunderbare Palm Beach Resort geschrieben habe, das auch diesmal mein Quartier sein sollte..

Post aus Thailand (Ausgabe 50/Teil 2): Geburtstag auf Koh Mak