Kleine Insel für große Themen: Freunde. Heimat. Meer.

Foto: Frederico Balboa

Meer geht nicht: Koh Mak – ein nachhaltiges Vergnügen

Koh Mak ist Thailands erstes CO2-armes Reiseziel, das auf internationaler Bühne Anerkennung gefunden hat. Die Insel belegte den zweiten Platz in der Kategorie „Governance, Reset and Recovery of the Green Destinations Story Award“ auf der ITB Berlin 2023; 2022 wurde Koh Mak unter den Top „100 Destination Sustainability Stories“ gelistet.

Fotos: Li Ping Xie, Frederico Balboa

Geburtstag

Der Mann mit dem Licht (Foto: Li Ping Xie)

„Wer kennt ihn nicht, den Mann mit dem Licht“: Ich kam mir vor wie das Darmol-Männchen aus der weit zurückliegenden Werbung, als mir die Managerin des Restaurants By the Sea eine fein geschnitzte Wassermelone schenkte. Mit einer einzigen Kerze darauf, die mir zum 75. den Fackelzug ersparte.

Ich hatte es rechtzeitig auf die Insel geschafft und feierte im Kreis meiner Freunde. Sie schenkten mir (und meiner Frau) den Koh-Mak-Trip, zusammen mit anderen Freunden, die nicht dabeisein konnten und die ich schmerzlich vermisste.

Freunde

„There is a magnet in your heart that will attract true friends. That magnet is unselfishness, thinking of others first; when you learn to live for others, they will live for you.“

Paramahansa Yogananda

Freunde sind die Familie, die du dir aussuchst. Sie sind die Menschen, die du immer besser kennenlernst und trotzdem magst. Du hast stets die freie Wahl, Enttäuschungen inbegriffen. bEI Freundschaften, die sich allein über Nutzwert definieren, bestimmt der Nutzwert das Verfallsdatum. Im besten Fall halten wir Freundschaften so hoch wie unsere romantischen Beziehungen. Aber wer schafft das schon? Zumal jede(r) in unserer Ära der Individualisierung eine eigene Marke sein kann und oft auch will. Zwischen 1990 und 2021 hat sich die Zahl der Amerikaner, die keinen engen Freund haben, vervierfacht. Schwächelt das Konzept Freundschaft?

Nach meiner Auswanderung habe ich vom ersten Tag an nur eins vermisst: die Menschen, die mir am Herzen lagen und fortan nicht mehr um die Ecke lebten. Freundschaften sind unterschiedlich intensiv. Im Alter, heißt es, kann man keine langjährigen Freundschaften mehr schließen. Hängt eher davon ab, wie lange man lebt. Sebastian und Erika, Frederico und Li wurden in Thailand meine Freunde, auch sie waren in Koh Mak dabei.

In den 15 Jahren, die ich nun in Thailand lebe, verblasste die eine oder andere ehemals freundschaftliche Verbindung oder versandete komplett. Kann passieren, wenn sich zwei Lebensentwürfe zu weit voneinander entfernen. Vielleicht ist es auch eine Frage der Neugier. Neugier kennt keine Grenzen, aber man kann sie auch nicht lernen.

Freundschaftsabend in der Düsseldorfer Altstadt

Freundschaften auf Distanz sind trotz aller modernen Kommunikationsmittel schwer zu pflegen. Als ich noch zweimal im Jahr nach Deutschland flog, trafen wir uns jedesmal im Uerige in der Düsseldorfer Altstadt bei rustikalem Essen und Altbier. Wenige Meter weiter, am Flagship Store eines Kräuterlikörs namens Killepitsch, der in New York als „Kill the bitch“ Kult wurde, kippten wir ein paar Schnäpse, und so sahen wir dann auch aus. In leichter Schräglage waren wir jedoch gerüstet für die letzte, schwungvolle, nächtliche Etappe: kubanische Klänge in der Cocktailbar „Guantanamera“ in der Liefergasse.

Killepitsch: Einer geht noch

Corona setzte den Treffen ein harsches Ende. Die Freunde saßen in Deutschland fest, ich 9000 Kilometer entfernt in Thailand. Kein Telefonat, kein Zoom-Gespräch kann die persönliche Begegnung ersetzen und die Gespräche, die zielsicher vom Hölzken aufs Stöcksken zusteuern.

Auf Koh Mak traf ich die Freunde zum ersten Mal nach fast fünf Jahren. Übergangslos war sie wieder da, die übergangslose, wohltemperierte Vertrautheit, Geborgenheit, Anteilnahme und Verbundenheit. So habe ich es jedenfalls empfunden. „Ist doch normal“, sagten die Freunde. Das fand meine Frau Toey keinswegs: „Eine so tiefe Freundschaft wie zwischen euch kenne ich in meinem Land nicht. Du hast die besten Freunde der Welt.“ Ich werde nicht widersprechen.

Zwischenruf: Frederico Balboa – Koh Mak am Tag

Heimat

Wie viele Auswanderer habe auch ich mich oft gefragt: Was bedeutet eigentlich Heimat für mich? Wenn es stimmt, dass Heimat der Ort ist, von dem man nicht mehr weg will, dann sind Thailand und Chiang Mai für mich Heimat. Aber reicht das? Heimat muss kein Ort sein, findet zumindest Hermann Hesse: „Sie ist weder hier noch dort. Heimat ist in dir, oder Heimat ist nirgendwo.“ In allem finde ich mich wieder. Aber auch meine Freunde sind Heimat für mich, die deutsche Sprache und die Wärme der Tropen, klimatisch, atmosphärisch. Ein ziemlich komplexes Puzzle, meine Heimat.

Foto: Kesorn Chaisan

Abschied vom Palm Beach Resort, Abschied von Koh Mak

Video: Oliver Wurm

Verspätet angereist, früh wieder weg. Ganze drei Tage konnte ich auf Koh Mak bleiben. Auch in drei Tagen kann man viele schöne Momente sammeln. Die Insel mag nicht der richtige Ort für Urlauber sein, die sich ein abwechslungsreiches, animierendes Unterhaltungsangebot wünschen. Das wird es hier auch künftig nicht geben, nur beim großen Nachbarn Koh Chang. Die fünf Familien, die das Leben auf Koh Mak bestimmen, wollen keinen Massentourismus.

Fotos:

So bleibt die Insel der richtige Platz für alle, die in unserer hektischen Zeit zu sich oder zur Ruhe kommen wollen, die sich erholen und das Meer und seine frischen Früchte entspannt genießen wollen. Serviert so opulent, wie es in Thailand üblich ist.

Auch mein Buch „Thailand unter der Haut“ ist nun heimisch auf Koh Mak, im Palm Beach Resort von Jens und Lutz natürlich, in der heimeligen Nachbarschaft all der vielsprachigen Urlaubslektüre, die die Gäste dieser schönen Herberge für ihre Nachfolger zurückgelassen haben.

Zwischenruf: Frederico Balboa – Koh Mak bei Nacht

Und mit diesem Motiv wirbt Koh Mak am Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi

Foto Faszination Fnost/B. Linnhoff

Wehmut

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Sieben Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durfte ich wieder mit dem Speedboat zum Festland düsen und auch wieder fliegen. Über Trat und Bangkok fuhren und flogen wir zurück nach Chiang Mai. Alles klappte reibungslos. Nur die Seele kam mit dem Speed nicht mit, die Wehmut wollte nicht weichen.

Bis bald, Koh Mak, du Perle im Golf von Thailand!

Post aus Thailand (Ausgabe 50/Teil 1): Geburtstag auf Koh Mak