Rund um den Jahreswechsel beschäftigten sich wieder viele Medien mit dem Thema ZEIT. Zeit ist relativ, das weiß neben Albert Einstein jeder Fußballer. Wenn du in der 89. Minute 1:0 führst, dehnt sich die Zeit bis zum Schlusspfiff wie Kaugummi; liegst du in der 89. 0:1 zurück, rast sie dahin.

Als ich Kind war, schienen die vor mir liegenden, sechswöchigen Sommerferien endlos zu sein. Ein thailändisches Gedicht spricht davon, das Leben eines Menschen sei wie eine Fahrt flussabwärts. Zunächst fließe die Zeit langsam, dann immer schneller, und letztlich endet die Fahrt in einem Wasserfall. Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit, so das persönliche Empfinden. Das ist bekannt.

Zahlreiche Posts in den sozialen Medien aber, so las ich, weisen darauf hin, dass heute schon die Jüngeren und sogar die Jüngsten sich darüber beklagen, dass ein Jahr vergeht wie nix – obwohl es noch lange dauern wird, bis sie das Rauschen des Wasserfalls vernehmen. Ich schließe daraus, dass Digitalisierung/Internet das Leben nicht nur bei der unmittelbaren Beantwortung von eMails beschleunigt haben. Die Schnelllebigkeit unserer Zeit scheint Fakt. Und davon fühlen sich viele, selbst die Jüngsten, überfordert.

Koh Phayam Pier (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Von Chiang Mai mit Nok Air nach Bangkok und von da mit AirAsia nach Ranong und vom Flughafen mit dem Bus zum Pier und von da mit der Fähre nach Koh Phayam an der burmesischen Grenze und vom Pier mit dem Motorradtaxi zum Quartier: Vor ein paar Tagen habe ich mich auf eine ganz persönliche Zeitreise begeben. Ich wollte wissen, ob ich in Rufweite des Meeres noch so einfach entspannen kann wie vor 26 Jahren. Damals, auf meiner ersten Thailand-Reise, wohnte ich auf Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao in simpelsten Hütten, für maximal 15 Mark – es war der Trip, der mein Leben verändern sollte.

Obwohl ich natürlich nicht mehr der Bernd von 1994 bin, war ich im einfachen Bambus-Bungalow sofort zuhause. Schlief tief, fest und lange.

Mehr zum Trip auf eine ganz besondere Insel:

Koh Phayam: Zurück zu den Wurzeln

Toey hatte Geburtstag

Auch in Chiang Mai spielte Zeit eine Rolle – meine Frau wurde am 7. Januar 48. Da sie selbst aus ihrem Alter nie ein Geheimnis macht, darf auch ich offen sein. Weil das Ende unserer Bar nicht mehr fern ist, haben wir diesmal nicht groß eingeladen, und dann kamen doch erstaunlich viele Freunde und Bekannte. Sie lobten vor allem das von Toey und Pim bereitete Essen; beide sind gute Köchinnen, vielleicht liegt dort die Zukunft.

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Und weiter geht`s im Thema Zeit; Das Chinesische Neue Jahr steht unmittelbar bevor, und Bangkoks Einkaufszentren haben dafür bereits dekoriert. Das Jahr der Ratte wird kommen – und ich bin laut  chinesischem Horoskop Ratte. Erdratte genauer gesagt, es gibt auch noch Metallratten und andere Fraktionen. Die Prognosen für mich fallen diesmal deutlich besser aus als in den letzten Jahren. Mir steht ein gutes Jahr ins Haus, aber hoffentlich keine Ratte.

Nachruf auf Hans Tilkowski

Hans „Til“ Tilkowski

Für einen Sportsmann, den ich sehr mochte und in meiner Jugend oft habe spielen sehen, ist die Zeit in diesem Leben abgelaufen. Hans Tilkowski flog selten durch sein Tor, meist stand er richtig. Daher fragten die Journalisten die Stürmer der Gegner oft: „Warum schießt ihr immer dahin, wo der Til steht?“ Tilkowski wurde in jüngeren Jahren oft mit dem Schauspieler Paul Newman verglichen. In einem Interview mit der »Sportbild« sagte er mal: »Was meinen Sie, was los war, wenn ich nach New York oder London kam. Oder was meine Frau von Stewardessen angesprochen wurde, ob ich Paul Newman wäre.« Ein schöner Nachruf stand im kicker:

Hans Tilkowski: Viel mehr als der Torhüter beim Wembley-Tor

Berührend fand ich, dass Tilkowski bis zuletzt Kontakt hatte zu Geoff Hurst, dem Schützen des Wembley-Tores. Schwer vorstellbar, dass es eine solche Verbindung heute noch geben könnte. Viel schwerer jedoch fällt die Vorstellung, dass eine Mannschaft eine umstrittene Niederlage in einem wichtigen Spiel so sportlich hinnähme wie die deutsche Elf das verlorene Finale 1966 – das hat meine Vorstellung von Fairness geprägt.

Die überraschendste Nachricht der letzten Tage war für mich, dass im Tropenparadies Koh Samui 5000 Menschen an Depressionen leiden sollen.

Anthong Marine National Park bei Koh Samui (Foto: Klaus Hoeltzenbein)