Titelbild: ThailandSun

“Ein wahrer Thai lebt nach seinen eigenen Regeln.”

Spruch in Thailand

Das wäre noch kein Problem. Aber ein wahrer Thai fährt auch nach seinen eigenen Regeln.

Vom Kickstart weg ein Abenteuer

Freiheit (Foto: David Franke)

“Wenn man die Unfälle mit Motorrädern aus der Statistik rausnimmt, sind Thailands Straßen so sicher wie die in der Schweiz oder in den USA.” Dies ist ein Zitat der Weltgesundheits-Organisation (WHO). Tja. Wenn man der Schweiz die Berge wegnimmt, ist sie so flach wie die niederrheinische Tiefebene. Hilft uns das?

Fangen wir also mit Thailand an. Jeden Tag bewegen Millionen Thais Millionen motorisierte Zweiräder. Ein besonders anschauliches Bild zum Thema Verkehrsgemetzel liefert die Website ThailandSun:

Tödlicher Asphalt-Alltag – Warum Thailand im Unfallranking so weit oben steht

Thailand weist nämlich eine der weltweit höchsten Raten an Verkehrstoten auf, wobei Motorradfahrer den Großteil der Opfer ausmachen. Jährlich kommen über 14.000 Menschen bei Motorradunfällen ums Leben. Etwa 74 % bis 84 % aller tödlichen Verkehrsunfälle im Land stehen in direktem Zusammenhang mit motorisierten Zweirädern. Viele dieser Unfälle wären durch das Tragen von Sicherheitshelmen vermeidbar. Die Zahl der Helmträger hat zugenommen in den letzten Jahren, aber noch immer lassen sich Mitglieder aller Alztersgruppen Wind durch das offene Haar wehen. Während in Vietnam, um nufr ein Beispiel zu nennen, etwa 99 Prozent aller Faherrinnen und Fahrer den Kopf schützen.

Noch ein paar Zahlen: Nur etwa 50 bis 60 Prozent der 20 Millionen registrierten Motorräder im Land gehören Leuten, die einen Führerschein besitzen. Das heißt: geschätzte acht Millionen fahren ihre Maschine ohne Fahrerlaubnis. Bei Teenagern sind Motorradunfälle Todesursache Nr. 1.

Schlagzeilen machte vor einigen Jahren ein 13-Jähriger, der in San Kamphaeng nahe Chiang Mai mit einem Big Bike – einer 1000 cc Kawasaki – einen Unfall mit zwei Verletzten verursachte. Er war mit 140 km/h unterwegs, 80 km/h waren erlaubt. Wie sein Vater erklärte, hatte der Junge bereits mit schweren Maschinen an Rennen teilgenommen. Nun aber werde er (der 13-Jährige) auch die drei anderen Big Bikes verkaufen, die noch in seiner Garage stünden. Den Führerschein gibt es in Thailand übrigens ab 15.

Beifahrer (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

In Chiang Mai rauschten eines Tages zwei Mädchen an mir vorbei, 13 oder 14 Jahre jung. Die Beifahrerin war hochkonzentriert dabei, der Pilotin Zöpfe zu flechten. Ein Drittel der Thailänder glaubt, Verkehrsunfälle seien Schicksal. Gepaart mit dem Glauben an Wiedergeburt ergibt das eine Fahrweise, die sich Ausländern nicht immer erschließt. Über Marginalien wie überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol am Lenker, adrenalinbesoffene Halbwüchsige, Träumen am Tag und rechts fahrende ChinesInnen wollen wir gar nicht erst reden.

Chinesinnen in Chiang Mai (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Fazit: Verkehr in Thailand basiert auf der permanenten, selbstverständlichen Missachtung von Gesetzen und gesundem Menschenverstand. Auch wer die Spielregeln kennt, besitzt noch nicht die Garantie für einen unfallfreien Tag.

Den Motorradführerschein habe ich in Chiang Mai gemacht. In einem Alter, in dem Viele lieber Bus fahren. Aber Busse gibt es hier nur wenige, sie sind meist dünn besucht. Die zahlreichen Autos in der Innenstadt fahren oft Schritt. So ist der Motorroller das ideale Gefährt, um zügig von A nach B zu kommen. Vor allem natürlich, um den Chauffeur für meine Frau Toey zu spielen, die ihrerseits nach einem Sturz schon seit Langem nur noch hinten sitzt. Und von dort die Richtung vorgibt.

Videos zum Thema neigen zur Zuspitzung, die dennoch nahe an der Realität liegen können:

Der Tod fährt mit – Roller mieten in Thailand (ADV vagabon/Youtube)

Aber es sind eben auch die wunderbaren Touren, die zum Zweirad-Erlebnis verführen:

Mae Hong Son Loop: Die ultimative Motorrad-Abenteuerroute in Thailand! (JuLi Adventure/Youtube)

Die 7 besten Motorradrouten in Thailand (Big Bike Tours)

Weitere Gute Tipps zum Motorradfahren in Thailand bei AlexAsia.

Einen Sturz hat jeder frei

Einen Sturz hat jeder Anfänger frei, er muss ihn nur überleben. Mit einigen Schürfwunden fuhr ich nach meinem ersten Sturz ins nächste Krankenhaus, doch ich war tatsächlich so gut wie unverletzt. Im März 2019 erwischte es mich erneut, als ein junger Chinese sein Fahrrad über die Straße schob und dann urplötzlich umkehrte. Ihm konnte ich ausweichen, dem Sturz nicht; mit einem Jochbeinbruch trotz Helm sowie Prellungen und Hautabschürfungen kam ich glimpflich davon. Der Verursacher blieb unverletzt, war jedoch schockiert und beteiligte sich sogar an meinen Krankenhauskosten.

Die Zahl der rasenden Vollidioten nimmt zu in Chiang Mai, auch auf Samui zum Beispiel, und unter den Rasern finden sich hier wie dort nicht wenige Touristen, die den Duft der Freiheit mit Testosteron mischen. Ich habe für mich beschloossen, nachts gar nicht mehr zu fahren. Doch auch im Tageslicht hilft mir oft der über Jahre erworbene schwarze Gürtel in Achtsamkeit.

Bei meinem dritten Sturz ging ich auf Koh Phangan zu Boden – die Leidtragende war meine Frau.

Bali: Gedränge im Paradies

Ansonsten bin ich auf Thailands Inseln gefahren, auf Koh Chang, Koh Phangan und Kh Chang. Für alle gilt: Vorsicht vor allem nach Regenfällen, bei Schotterpiste und nachts! Auch auf Bali stieg ich auf einen gemieteten Roller. Seitdem behaupte ich in Anlehnung an die Formel 1: Bangkok ist der Ort fürs freie Training, Chiang Mai der Parcours fürs Qualifying und das Rennen findet auf Bali statt. Vornehmlich rund um Seminyak und Canggu, aber auch in und um Ubud. Bali ist die wahre Prüfung, vor allem für Anfänger. Dieses Gefühl, wenn dir Achtjährige nach Schulschluss mit dem Motorbike auf deiner eigenen Spur entgegenkommen – unvergleichlich. Auch mein Freund Klaus H. denkt mit besonders gemischten Gefühlen an Bali zurück. Bei seiner Jungfernfahrt durch die engen Inselgassen geriet er zunächst auf Sand, dann in den Graben und zum Schluss mit Schwung in ein offenes Kanalrohr.

Klaus H. und sein Bali Tattoo

Er kam mit einigen Verletzungen davon, edle Teile blieben verschont. Das Wort dafür ist: Glück.

Die besten Links: Motorradfahren in Asien

Alle Länder Südostasiens bieten verlockende Touren, auch dort gibt es urbane Zentren mit teils chaotischem Verkehr. Man nehme nur Vietnam, wo sich jede(r) den Weg durch die Straßen und durchs Leben hupt.

Für viele ist Motorradfahren in Asien das ultimative Vergnügen, den Statistiken zum Trotz. Was außer landestypischen Fahrweisen noch alles zu beachten ist, haben Profis erkundet und notiert. Hier die besten Links zum Thema:

Eine gute Seite zum Thema Zweirad in Südostasien: Mit Rucksack und Motorrad Südostasien entdecken (Südostasien Backpacker)

Roller fahren in Asien

Auch dies ist ein Beitrag, in den die Weltreisenden Daniel und Jessica unendlich viel Mühe und Genauigkeit investiert haben – in ihrem Blog Life to go.

Ihr Youtube-Video zeigt eindrucksvoll, wie es auf Balis Straßen zugeht:

Mit dem Motorrad durch Südostasien

Einladung in die Welt mit vielen Informationen: Into the world

Guide to buying a motorbike in South East Asia

Willst du ein Bike kaufen? Hier findest du die nötigen Infos: NOMADasaurus

Moped mieten und durch Thailand touren

Professioneller Anbieter für Motorradreisen in Südostasien: Bike Tour Asia 

Ein Blick nach Kambodscha

Thailands Norden: Von Chiang Mai ins Goldene Dreieck

Im Norden Thailands (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Eine großartige Tour in die einstige Opiumregion: Faszination Fernost

Motorcycle Diary: Journey to Isaan

Spannende Tour durch Thailands größte Provinz: The BigChilli

Leitfaden für den Motorradkauf in Vietnam, Laos und Kambodscha

Diese Seite hat Thailands Nachbarn im Visier: Hummeln im Arsch

Und zum Abschluss noch ein schönes Drohnenvideo: Mit dem Motorrad unterwegs in Vietnam

Faszination Fernost wünscht Euch eine gute und sichere Fahrt in Südostasien!
Schwein zu haben gehört dazu

Mehr zum Thema:

Easy Rider auf Koh Phangan