Wann können wir KI vertrauen? Abschied von einem Freund

V. l. Klaus Hoeletznbein, Klaus-Dieter Spieckermann, Bernd und Toey in Chiang Mai
Liebe Freunde, WegbegleiterInnen und Südostasienfans,

vor wenigen Tagen googelte mein Freund Klaus-Dieter Spieckermann aus Neugier seinen Namen und sah als Erstes seine Todesanzeige, gedruckt in der Borkener Zeitung. „Ich habe ein Mal hingeschaut und dann nochmal”, erzählt „Spiecky”, wie er von allen genannt wird. „Obwohl ich wusste, dass ich lebte, war ich geschockt.”

Neben der Anzeige gab es noch weitere Informationen, generiert von Künstlicher Intelligenz (KI). Infos zu Spieckys Karriere als Sportjournalist beim Sportinformationsdienst (SID). Von all seinen Kollegen damals wurden nur zwei genannt: Klaus Hoeltzenbein und Wilfried Linnhoff. Bernd Linnhoff wäre korrekt gewesen, aber auch KI ist nicht perfekt.

Bevor die Nachricht von seinem Tod eine größere Runde drehte, teilte Spiecky Kolleginnen, Kollegen und Freunden per Mail vorsichtshalber mit, dass er – frei nach Mark Twain in einem ähnlichen Fall – die Meldung von seinem Ableben für “stark übertrieben” halte und sich in seiner Wahlheimat Thailand bester Gesundheit erfreue.

Seine Recherche ergab, dass die Todesanzeige korrekt war: Ein Namensvetter war gestorben. Spiecky fand auch die Quellen für die weiteren KI-Informationen heraus. Eine war mein Blog “Faszination Fernost”. Nun bin ich geschockt.

Chiang Mai feiert deutsch: Tag der Einheit und Oktoberfest

Honorarkonsul Sebastian-Justis Schmidt eröffnete den Tag der deutschen Einheit in Chiang Mai (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Erinnerungen kann man schwer steuern. An den 3. Oktober 1990, den offiziellen Tag der deutschen Einheit, erinnere ich mich nur schwach. Deutlich präziser ist die Erinnerung an den 9. November 1989, der für mich der eigentliche Feiertag war. An diesem Tag saß ich bis kurz vor Mitternacht isoliert in einem Essener Produktionsstudio, um die finale Version eines Videos für Königsblau zu schneiden: 85 Jahre Schalke 04. Wenige Minuten vor 24 Uhr setzte ich mich in mein Auto, um nach Hause zu fahren, nach Meerbusch. Vorweg schaltete ich das Autoradio ein für die Nachrichten. Sie begannen lautstark, mit Trubel und Jubel und Menschen, die durcheinanderschrien. Dann sagte eine männliche Stimme: “Wir erleben einen historischen Moment in der deutschen Geschichte – die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten ist offen.”

Ich hatte Gänsehaut vor Freude. Trotz der Demonstrationen in der DDR in den Wochen und Monaten vorher hatte ich nie für möglich gehalten, dass die Hoffnung auf eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten begründet sein könnte. Heute wissen wir, was aus der Euphorie von damals geworden ist. Ich zumindest weiß nicht, ob die Menschen im Osten Deutschlands am 3. Oktober 2026 den Tag der deutschen Einheit gefeiert haben. Die Mehrheit eher nicht, könnte man nach den letzten Landtagswahlen vermuten.

Im Fernen Osten jedoch, In Thailand, wurde die deutsche Einheit in gelöster Stimmung zelebriert. Ossi Olaf Kujawa, erfolgreicher Gastronom, und Wessi Sebastian-Justus Schmidt, deutscher Hononrarkonsul in Chiang Mai, luden gemeinsam ein, um den Tag zu würdigen. Bei bestem Wetter im stimmungsvollen Rahmen des Kujawa-Restaurants The Happy Frog*Secret in der Charoenrat Road.

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Als Überraschungsgast reiste der neue deutsche Botschafter aus Bangkok an; erst im September hatte er sein Amt angetreten. Nach dem ersten Eindruck wirkt Michael Reiffenstuel deutlich bodenständiger und nahbarer als sein stets distanzierter Vorgänger. Der Botschafter erschien mit seiner Frau Anke, beide stehen für die deutsche Einheit: er ist am Tegernsee geboren, seine Frau in Halle (Saale); das Paar hat drei Kinder.

Auch Frau Reiffenstuel ist Diplomatin von Beruf; von 2019 bis 2023 war sie deutsche Botschafterin in Manila. Wer die politischen Verhältnisse in den Philippinen auch nur oberflächlich kennt, darf davon ausgehen, dass es Anke Reiffenstuel nicht an (diplomatischem) Durchsetzungsvermögen mangelt.

Das Team um Honorarkonsul Schmidt würzte die Festivität mit einem Quiz rund um die Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre. Wer sang damals welches Lied im Osten, wer welchen Song im Westen? Wer unterzeichnete diesen oder jenen Vertrag, wer bekleidete welche Position? Im Gegensatz zu den meisten Gästen konnte ich wenig bis nichts zu den Antworten beitragen. Es ist schon erstaunlich, wieviel man von dem vergessen kann, was man schon zu Anfang nicht behalten hat. Schließlich konzentrierte ich mich auf meinen leckeren Kartoffelsalat mit Frikadellen und Senf und hielt es mit dem griechischen Philosophen Sokrates: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.” Seither bin ich auf der Suche nach meiner Allgemeinbildung; die Suche hält an.

Foto: Happy Frog Secret

Auch das Oktoberfest vom 22. bis 25. des Monats veranstalteten Team Schmidt und Team Kujawa zusammen; professionell, am selben Ort. Ich war diesmal nicht dabei, aber nach allem, was ich gelesen habe, war auch diese Veranstaltung ein voller Erfolg für Chiang Mais deutsche Gemeinde mit Anhang und Freunden.

Halloween: Thailand adaptiert jeden Brauch

Wenn es gilt, internationale Bräuche und Gelegenheiten zum Feiern zu integrieren, sind dieThailänderinnen und Thailänder noch gastfreundlicher als eh schon. Nicht umsonst werden sie die Kinder Asiens genannt, da kommt ihnen ein Kostümfest mit Horror gerade recht. Und so wurde Halloween Ende Oktober auch in Chiang Mai mit Hingabe gefeiert. Meine Frau hätte sich allerdings besser abgeschminkt, bevor sie nach Hause kam.

Reisen mit Links

Rezeption im Hotel Katiliya in Nordthailand (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Natur und Luxus: Zwei Top-Hotels nahe Chiang Rai (Faszination Fernost)

Strände auf Koh Chang (Abenteuer Globus)

Lanna Garden – A new lifestyle spot in Chiang Mai (Citylife Chiangmai)

Khao Chamao Khao Wong Nationalpark (Entdecke Bangkok)

Travel Plan Western Thailand (Travelfish)

Herstellung Reisschnaps Lao Kao (ThailandSun)

Bali: Regent Bali Canggu – Beachfront Calm (Destinasian)

Laos/Vientiane: Buddha wartet im Park (Faszination Fernost)

‘Little Japan’ adds allure to Saigon (VNExpress)

Tourismus

Stadtgraben in Chiang Mai (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Chiang Mai ist die sicherste Stadt Südostasiens (Nation)

Koh Kood warnt vor Übertourismus (Farang)

Lao Airlines fliegt wieder nach Bangkok (Farang)

Lufthansa fliegt zehn neue Strecken (Farang)

Kambodscha/Phnom Penh: Take a Look Inside Techo International Airport (Destinasian)

Abschied von Manni Balcerzak

Manni Balcerzak (rechts), der Trainer. Sein Assistent ist nicht etwa Heiner Brand, sondern “Manu” Zielinski.

Als meine letzte Glückwunsch-Mail zu seinem Geburtstag im Mai unbeantwortet blieb, dache ich mir schon, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte. Schon vor Jahren schrieb er, dass ihn eine schriftliche Antwort auf meinen Glückwunsch eine Woche kostete. Nun ist mein Freund Manni Balcerzak mit 77 Jahren gestorben – diese Nachricht war leider kein KI-Irrläufer. Seit 2011 litt Manfred an der Parkinson-Krankheit; schon seit einigen Jahren war er querschnittsgelähmt, konnte nicht mehr sprechen und “nahm sein Schicksal doch ruhig hin”, wie mir seine Frau Margit sagte. Nun schrieb sie, dass er in einem Hospiz friedlich eingeschlafen sei.

Das Wort ruhig passte zu Manni. Nie sah ich ihn aus der Haut fahren, auch in extremen Situationen nicht. “Einmal habe ich ihn gefragt: “Manni, was sagt du als nicht Betroffener zum Thema Temperament?” “Wie meinst du das?”, fragte er leise zurück und grinste. Erstaunlich genug, dass er auf seine leise Art nicht nur ein sehr guter Fußballer, sondern auch ein erfolgreicher Trainer war.

In unseren ganz jungen Jahren spielten wir zusammen bei der Hammer SpVgg und blieben Freunde, als sich unsere Wege trennten. Ich war sein Trauzeuge, als er früh Maria heiratete, die leider früh starb – Manni blieb die gemeinsame Tochter, ein Abbild ihrer Mutter.

Als Toey und ich 2016 in einer Lanna-Zeremonie heirateten, waren auch Manni und seine Frau Margit dabei. Die Ärzte hatten ihm abgeraten (“Hitze! Langstreckenflug! Fremdes Essen! Strapazen!”), da er schon fünf Jahre krank war. Er ging nach seinem Gefühl und ließ sich den Trip nicht nehmen: “Die Reise hat mir gut getan”, sagte er später.

Margit und Manni bei unserer Hochzeit

Zu seinem 70. Geburtstag im Mai 2019 reiste ich nach Werne; er feierte in seinem Geburtsort. Auch Horst Hrubesch war da, mit anderen ehemaligen Mannschaftskameraden. Auch Hermann Hummels, der ebenfalls mit dem Jubilar zusammengespielt hatte und ihn den Münchner Bayern später mit Erfolg als Scout empfahl. Es war eine schöne Veranstaltung in großem Rahmen in Werne; Mannschaftssportler wissen, wie wiel Freude so ein Ehemaligen-Treffen bereiten kann. Manni war in guter Form, auch wenn man ihm die fortschreitende Krankheit in manchen Momenten ansah.

Von rechts, Horst Hrubesch, Manni, Hermann Hummels, Bernd Linnhoff

Manfreds 70. Geburtstag 2019 blieb bis heute mein letzter Besuch in der alten Heimat. Ruhe in Frieden, Manni, du hast genug gelitten. Und dir, liebe Margit, lange Jahre Heldin seines fordernden Alltags, mein herzliches Beileid!

Details zu Mannis sportlicher Laufbahn:

Durchmarschcoach und Bayern-Scout: Trauer um HSV-Legende Manfred Balcerzak (Westfälischer Anzeiger).

Männer im Schnee – der Kader der Hammer SpVgg 1970/71. Stehend von links Jonsson, Bakera, Hrubesch, Linnhoff, Lapcevic, Schäfer, Licht, Winkler, Trainer Drewes; unten von links Cossmann, Linker, Klesse, Sundermann, Goinda, Manni Balcerzak, Koschmieder.

In der nächsten Post aus Thailand wird mein Freund Philipp Görgen eine wichtige Rolle spielen; er kommt seinem Ziel, alle Länder der Welt zu bereisen, immer näher. Und immer hat er mein Buch “Thailand unter der Haut” dabei (Foto: Philipp mit Buch in einem Gewässer in Darwin/Australien, das Süßwasserkrokodil kam erst später dazu).

Herzliche Grüße aus einem sonnig-heißen Chiang Mai,

euer

Khun Ben