Ich kann wieder gehen – Die Top 10 meines Blogs 2025 – Elefanten in Bangkok
Liebe Freunde, WegbegleiterInnen und Südostasienfans,
ich kann wieder gehen. Was vor allem daran liegt, dass mein Motorrad seit acht Tagen in der Werkstatt steht. Daher bin ich zu Fuß ins neue Jahr geschlendert. Diesmal nicht so sehr mit guten Vorsätzen, sondern mit Fragen: Wie bleiben wir zuversichtlich in einer Zeit, da ein wichtiger Teil der Welt von Mensch gewordenen Trollen regiert wird? Trollen, die zum Teil von Millionen Zeitgenossen gewählt wurden. Wie kriege ich es hin, dass ich mich auch auf die nächste Fußball-WM 2026 freue? Obwohl ich dann wieder zusehen muss, wie sich Gianni Infantilo in Trumps Enddarm verfügt. Wie vermeide ich, dass ich das immer aufgeregtere Weltgeschehen im Live-Ticker verfolge? Ich war immer ein News-Junkie, inzwischen ist das gesundheitsgefährdend.
Zum Glück gibt es Sven Gabor Janszky. Europas bekanntester Zukunftsforscher weiß Bescheid. Er prophezeit in diesem Youtube-Interview für 2026 Mega-Trends wie KI auf Rädern, in humanoiden Robotern und Drohnen, eine explodierende Zahl an KI-Agenten, Robotaxis als neues Standard-Verkehrsmittel und Rechenzentren im Orbit oder in Mondkratern. Dann bin ich ja beruhigt.
Zwei gute Vorsätze habe ich immerhin: in 14 Tagen will ich mein neues Buchmanuskript beenden und außerdem ganzjährig wieder kommunikativer werden. Es ist nämlich so: Ich bin gerne allein unter Menschen, in einem Cafés vielleicht, und lese dort. Mir gefällt das Geräusch, wenn niemand spricht. “Die Tasse Kaffee mit den Nachbarn ist der Anfang”, las ich Silvester in der Süddeutschen Zeitung. Wir sollten in einer Gesellschaft, die vernetzt ist wie nie und doch langsam vereinsamt, mehr miteinander sprechen. Vielleicht sogar über die Gräben unterschiedlicher Weltanschauungen hinweg.

Ins Poon Café, eins meiner Lieblingscafés, kam in den letzten Tagen immer zur selben Zeit wie ich ein Ehepaar, beide grüßten freundlich und setzten sich an den Nebentisch. Ich grüßte freundlich zurück, doch beim Lesen versinke ich schnell und oft im Text. Speziell bei einem Buch wie “Das Ende ist mein Anfang” von Tiziano Terzani, das mich auch beim zweiten Lesen nach 20 Jahren wieder sehr bewegt. Doch dann kamen wir ins Gespräch, lesen konnte ich auch später noch. Seitdem unterhalten wir uns jeden Tag intensiv, Birtsche und Carsten, zwei Thailand-Liebhaber aus Dänemark, und ich. Das mag manchem nicht besonders erscheinen, vor allem meinem Freund Disco, der sich in Gesprächen so wohl fühlt wie ein frisch gebadetes Baby. Für mich ist es ein Schritt in Richtung Offenheit.
Das Poon Café und mein Viertel habe ich erst jetzt in den Details entdeckt, weil mein Scooter in der Werkstatt steht und weil ich daher vieles zu Fuß erledige. Das hat Folgen: Ich bewege mich mehr, sehe mehr und empfinde stärker denn je, wie gerne ich hier und in Thailand nach wie vor lebe.
Das Jahr 2025, das meine Frau und mich sehr gefordert hat, endete passend. Vor mir setzte ein Lieferwagen mit hohem Aufbau, der gerade wegen eines Engpasses angehalten hatte, ohne Ankündigung zurück. Ich stand dahinter, mein Hupen verhallte ungehört, ich kam nicht schnell genug weg und saß plötzlich mit der Front in der Einbuchtung fürs Nummernschild des Autos. Keine große Geschichte, aber nervig. Schutzblech kaputt, Lenkung möglicherweise verzogen, ein Fall für die Versicherung des Fahrers. Hoffe ich. This is Thailand.
Auch meine Wahlheimat hätte sich gerne ein anderes 2025 gewünscht. “Es war nicht”, schrieb die Bangkok Post, “das typische annus horribilis, das typische Jahr des Schreckens. Einige sagen, Hölle auf Erden wäre der angemessenere Ausdruck, narok bon din auf Thai, wenn viele unangenehme Dinge gleichzeitig passieren. Im Rückblick denken wir an Lord Buddha, der uns ein Handbuch zum Überleben im Krisenmodus anbietet.” Thailand und wir hoffen, dass es ein Übergangsjahr war. 2026 werden Toey und ich uns an zwei Optionen halten: Wenn wir sehen wollen, wie verstörend die Welt sein kann, schauen wir Nachrichten; wenn wir sehen wollen, wie schön die Welt sein kann, gehen wir in die Natur. Schließlich liegt sie vor unserer Haustür.


Mein spezieller Dank gilt meinem Freund Philipp Görgen, der auch im abgelaufenen Jahr unbeirrt sein Ziel verfolgte, eines Tages alle Länder dieser Welt besucht zu haben. Und immer hat er mein Buch “Thailand unter der Haut” dabei, das mehr von der Welt sieht als ich. Umarmung, Philipp. Viel Glück auf deinen Trips und ein glückliches Jahr für dich, Joan, Thabo, Nia und Thani!
Bild links: Philipp mit Buch in Darwin/Australien. Galerie v. l. n. r. Syrien; Asmara/Eritrea; Georgien; Erewan/Armenien; Islamabad/Pakistan; Larnaka/Zypern.
Meine kleine Welt in Chiang Mai

Wir wohnen in einem echten Thai-Viertel südlich der Altstadt. Vieles erinnert mich an meine Kindheit, viele Kreise haben sich für mich in Thailand geschlossen. Meine Frau, die gerne und gut kocht, geht fast täglich zum Frischmarkt namens Kadkom. Auch der ist nicht von steigenden Kosten und Preisen verschont geblieben, aber immer noch eine preiswerte Quelle für Obst, Gemüse, tropische Früchte und Fische. Selbst einzelne Karotten oder Bananen werden in Plastik gepackt. Das stört mich, die Einheimischen stört es nicht. Sie haben andere Sorgen.
Elefantenparade in Bangkok

Sie ist zurück, die Parade der von nationalen und internationalen Künstlern bemalten Elefanten. Die farbenfrohe Ausstellung in Bangkok soll mit Mitteln der Kunst auf Thailands Bemühungen aufmerksam machen, das Überleben der thailändischen Elefanten zu sichern. 55 Skulpturen stehen noch bis zum 21. Februar 2016 in Talat Noi und Song Wat nahe Bangkoks Chinatown.
Rechts: Elefant mit Masern in Talat/Talad Noi (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Reisen mit Links

Traumstrände und kaum Gäste: Koh Chang, Koh Kood & Koh Mak (ThailandSun)
Koh Kood: Thailands unberührtes Inseljuwel (Farang)
Koh Kood – Abschalten im Paradies (Faszination Fernost)
In Asia’s travel hot spots, overtourism is creating European-style problems (CNN travel)
Yangon: What is life really like in a city at war? (Ilona Vinogradova)
Zum Abschluss: Die 10 Top-Beiträge 2025 in meinem Blog

Toey und ich wünschen euch ein gesundes, glückliches und unfallfreies Jahr 2026.
Herzliche Grüße aus Chiang Mai,
Euer Khun Ben



