Opiumanbau aus medizinischen Gründen – Hotel auf Koh Chang – Tempel mit Knochen in Chiang Mai – Muttertag in Pattaya

Thailand nach den Wahlen (Quelle: Bangkok Post)
Liebe Freunde, WeggefährtInnen und Südostasienfans,

erst seit den Studentenunruhen 1968 hat die Bezeichnung „Bullen“ für Polizisten einen negativen Beigeschmack in Deutschland. Gendarme wurden schon im 18. Jahrhundert so genannt, jedoch auf Basis des niederländischen Wortes „Bol“, was „Kopf“ oder „kluger Mensch“ bedeutet. Was wäre ich ohne Google? Mir war auch neu, dass Cops (Polizisten) im englischen Sprachraum ebenfalls als Bullen tituliert werden.

Wie schon mal erwähnt, übesetze ich derzeit „Thailand unter der Haut“ ins Englische. Die Übersetzungsprogramme von ChatGPT und Google dienen als hilfreiche, wenngleich oft fehlerhafte Assistenten. Zumindest aber starte ich nicht bei Null. Manchmal fehlt für meine Formulierungen und Wortspiele logischerweise die englische Entsprechung. Doch die Arbeit macht Spaß, ich lerne dazu und das Ergebnis passt. Zuletzt habe ich das Kapitel „Die Geburt des Sinan“ übersetzt, in dem Elefantenmann Bodo Förster die Geburt eines Elefantenbabys schildert. Bodo und Sohn Roger kommen einen Tick zu spät, und im deutschen Text heißt es: „Wir laufen hin, und da ist das Baby grad schon heraus. Ein Bulle!“ Was Google translate dann so übersetzt:

„We run there, but the baby is already out: A cop!“

Der kleine Sinan unmittelbar nach der Geburt (Foto Elephant Special Tours)

Ein Buch auf Tour

Wo wir schon beim Buch sind: Leserinnen und Leser senden mir weiterhin Fotos zur Reihe „Ein Buch auf Tour“, zu sehen auf Facebook und Instagram. Seit der letzten Post aus Thailand postete ich Bilder vom Lago Maggiore (Christel Schicht), aus Hattersheim (Alfred Möser), München (Melanie Laubenbacher) und Bonn (Angelika Schmitz-Bädorf) – euch allen herzlichen Dank! In den nächsten Tagen geht es weiter mit individuellen Motiven, Orten und Absendern.

Nach wie vor erhalte ich Mails von Leserinnen und Lesern oder Kommentare auf Facebook, wie sehr sie das Buch mögen. Dann lege ich sofort ein kurzes Tänzchen ein, ohne mich allerdings gleich zu verausgaben. Denn neben der aktuellen Übersetzung treibt mich nach all der positiven Resonanz der Gedanke um, ein weiteres Buch zu meiner Wahlheimat zu schreiben. Thailand liefert Ideen genug, weswegen mich weniger der Inhalt beschäftigt als vielmehr die Finanzierung von Produktion und Druck.

Natürlich nur zu medizinischen Zwecken

Gesehen auf Koh Chang (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Als Cannabis vor enem Jahr quasi über Nacht erlaubt wurde in Thailand, saßen noch Tausende im Knast, verurteilt wegen Cannabis-Besitzes. Erlaubt war das Kraut danach natürlich aus medizinischen Gründen. Deshalb steht nun auch ein Cannabistro neben dem anderen. Für all die Menschen, die nach der Freigabe umgehend erkrankten und nur durch Ganja geheilt werden können.

Gesehen in Chiang Mai (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Nun lese ich, Thailand wolle versuchsweise Opium und magische Pilze anbauen. Natürlich nur zu medizinischen Zwecken. Man darf davon ausgehen, dass der Begriff Medizintourismus völlig neu aufgeladen wird. Was möglicherweise einige Bauern in Nordthailand irritiert, nachdem sie vor gut 30 Jahren gebeten wurden, sich vom lukrativen Opiumanbau zu verabschieden und umzuschulen auf Kaffee und Tee.

Wohin geht?s? Wat Suan Dok in Chiang Mai

Mausoleen ganz in Weiß: Wat Suan Dok (Faszinaton Fernost/B. Linnhoff)

Am westlichen Stadttor (Pratu Suan Dok) beginnt in Chiang Mai die Suthep Road, zu deren Linken nach etwa 300 Metern der Wat Suan Dok steht. Suan Dok heißt übersetzt Blumengarten; das heutige Tempelgelände war früher der Garten der dort ansässigen königlichen Familie. Ihre Gebeine ruhen heute in den strahlend weißen Mausoleen, das ist der Lauf der Welt.

In der höchsten (48 m), der goldenen, glockenförmigen Stupa soll sich der Überlieferung nach eine besondere Buddha-Reliquie befinden. Wie Mythologien so arbeiten: Einem Mönch aus Sukhothai erschien Buddha im Traum und befahl ihm, nach Pang Cha zu wandern und Ausschau zu halten nach einer Reliquie mit magischen Kräften. Der Mönch entdeckte einen Knochen, der verschwinden konnte und wieder auftauchen, er konnte glühen, sich bewegen und vervielfältigen. Das ist viel für einen einfachen Knochen.

Warum ein königlicher Weißer Elefant mit einem Teil des Knochens den Berg Doi Suthep nahe Chiang Mai erklomm und tot umfiel und weitere Details zum Wat Suan Dok in diesem ausführlicheren Beitrag. Im Tempel können sich Besucher auf Englisch mit Mönchen über Buddha und die Welt unterhalten. Mehr dazu unter monkchat.net.

Hotel auf Koh Chang: Siam Bay Resort

Foto: Kesorn Chaisan

Manchmal genügt eine irreführende Entfernungsangabe, um falsche Erwartungen zu wecken. So erging es uns mit dem Siam Bay Resort auf Koh Chang. Wunderschön gelegen, aber… Mehr dazu in unserem detaillierten Bericht.

Link-Tipps zum Reisen in Südostasien

Das sind die fünf teuersten Sehenswürdigkeiten der Welt (Travelnews)

Entzückende, magische Natur rund um Chiang Mai (ThailandSun)

Closing the ‚world’s best beach‘ Koh Kradan (CNA)

How to travel border-to-border in Thailand by train (Adventure)

Tipps für Vientiane/Laos (Abenteuer Globus)

3 Restaurants in the rice fields of Hoi An/Vietnam (Condé Nast Traveller)

Muttertag in Pattaya

Zum Image der Stadt am Golf von Thailand passt die Nachricht nicht. Aber Vorurteile sind dazu da, überdacht zu werden. Die Buchungsplattform Agoda meldet, dass Pattaya zum Muttertag (12. August) das beliebeste Reiseziel der Thailänder war. Vielleicht ist der Küstenort in den Köpfen der Einheimischen anders verankert als bei den meisten Farangs – als Destination für Familien.

Und sonst so?

Was fehlt mir in meiner Wahlheimat am meisten? Der Austausch face to face mit Freunden, die nicht hier leben. Deshalb war es mir ein seltenes Vergnügen, dass Lars Dobbertin auf seiner Thailand-Reise mit Frau und Kindern auch in Chiang Mai Station machte. Zuvor hatten wir uns als Kollegen ein einziges Mal getroffen, am 1. April 2006 beim spanischen Clásico Barcelona – Real Madrid (1:1), als die beiden Brasilianer Ronaldinho und Ronaldo die Tore schossen. Lars und ich blieben dank Facebook in größeren Abständen auf informativer Ballhöhe und brauchten daher für unsere mehrstündigen Gespräche in Chiang Mai keinen Anlauf.

Foto rechts: Vor den gut sortierten Weinregalen in Olaf Kujawas „Happy Frog“ in Nimman/Chiang Mai (Foto: Lisa D.)

Der Feind in meinem Bett

Die Pheu Thai Partei ging mit dem Slo­gan in die Par­la­mentswahlen: ​“Die Rat­te aus­räuch­ern, die Kobras zerquetschen.” Die ​“Rat­te” war eine Anspielung auf den Spitz­na­men des Führers der Bhum­jaithai-Partei, Anutin Charn­vi­rakul, während sich die ​“Kobras” auf eine Gruppe abwe­ichen­der Abge­ord­neter der Pheu Thai beziehen. Nun haben Pheu Thai (nach Ausbootung des Wahlsiegers Move Forward Party) und Bhumjaithai gemeinsam eine Koalition gebildet, zu der auch die bisher regierende Phalang-Pracharat-Partei gehören wird. Alle Erzfeinde haben sich ins gemeinsame Bett gelegt, unter den Kopfkissen liegen Macht und Pfründe. Mehr muss man über die Politik hier nicht wissen.

Es gab nur zwei Verlierer bei der Wahl: den Wahlsieger und die Wähler. Die wollten den Wechsel, doch nun heißt es „Weiter wie immer“.

Vor einigen Wochen traf ich Khun Chuwit, eine prominente, kontroverse Persönlichkeit in Thailand, und fragte ihn, ob er keine Angst hätte. Wo er doch mit missionarischem Eifer als Whistleblower Missstände in Thailand aufdeckt und als unwillkommener Pfahl im Fleische einflussreicher Menschen steckt. „Angst? Interessiert mich nicht“, antwortete er damals. Nun las ich in der Bangkok Post, dass Chuvit an Leberkrebs (Stufe 3) im Endstadium erkrankt ist und seine letzten Tage dem Kampf gegen das Verbrechen widmen will.

Sovel für heute.

Die Fußball-Saison geht wieder los. Wird Harry Kane bei den Bayern zum Hurricane? Ich halte viel von diesem Top-Profi, aber Vorsicht. Wie sagte der legendäre englische Erfolgstrainer Brian Clough (Nottingham Forest): „Auf dem Papier hatten wir eine großartige Mannschaft, leider wurde auf Rasen gespielt.“

Bleibt gesund und wertschätzt das Leben,

Euer Bernd